Es gibt diese Fotos, die wir alle kennen. Erinnerungen. Menschen waren glücklich, unterwegs, in Gesellschaft oder allein - wie wir. Wenn wir sie ansehen, sehen wir, dass dies alles Geschichte ist, wie wir - irgendwann . Diese Zeitgleichheit von dem, was man ansieht und dem, wo man sich gerade selbst befindet ("Zeitgleichheit von Innen- und Außendingen"; S.Kracauer), überwältigt uns. Wir spüren unmittelbar, dass dieser Moment jetzt, in dem wir die Bilder betrachten, genauso unwiederbringlich vorbei sein wird (die Vergangenheit von morgen) wie alle weiteren Momente auch. Das Zerfließen eines jeden Moments wird hier beim Malen wörtlich genommen und Schicht um Schicht übereinandergelagert, wie im Leben. Meine Bildwelt entsteht aus Interesse an dieser geschichtlichen Macht, der absoluten Gleichheit aller Menschen, dem Verweis auf eine über jeden menschlichen Willen gestellte Objektivierbarkeit.

Impulse dafür kommen von überall und oft aus den Sechziger bis Achtziger Jahren, als die Fotografie noch weit mehr die Bedeutung von "festhalten" des schönen Lebens hatte, als heute. Eine verschwindende Erinnerungskultur, das "Festhalten-wollen-und-nicht-können", die Fragmentisierung der Lebenswirklichkeit und deren Wahrnehmung beeinflussen die Suche im malerischen Prozess. Farben verblassen, Gesichter verschwinden, Szenen lösen sich auf oder wuchern zu. Mit der Wucht der malerischen Geste verzichte ich auf Melancholie, verweise auf den Prozess. Zuerst schaffe ich eine nicht gelebte Parallelwelt in Formen und Farben. Dann suche ich eine Antwort auf das Gelebte und folge somit im Malen dem Prinzip des Entstehens und Vergehens.

Die Fotografien entstehen analog und bleiben in der Dingwelt und der Natur. Der Winter bietet eine strenge Grafik-Ästhetik, ignoriert das Dargestellte und löst auch hier die Wirklichkeit zu Gunsten des Visuellen auf. Mal dienen die Fotografien zur dokumentarischen Erinnerung, mal werden sie zu eigenständigen Bildern mit neuen Inhalten.